Ich weiss, ich müsste etwas ändern…
- sabrinavollenweide

- 30. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Situationen im Leben, die sich nicht mehr stimmig anfühlen. Das muss nicht dramatisch sein, teilweise ist es nicht einmal klar benennbar. Und doch ist da etwas, das sich meldet.
Vielleicht macht sich dein Körper bemerkbar - durch innere Anspannung, Unruhe oder Müdigkeit. Vielleicht bemerkst du, dass sich dein Verhalten verändert hat: du ziehst dich zurück, reagierst schneller gereizt, bist weniger geduldig oder innerlich oft woanders. Vielleicht tauchen Gefühle auf wie Traurigkeit, Frust, Wut oder Leere, ohne dass du genau sagen kannst, warum. Und irgendwie der leise Gedanke: "Ich weiss, ich müsste etwas ändern..."
Die meisten von uns kennen solche Phasen. Momente, in denen wir spüren, dass etwas in Bewegung geraten ist – in der Beziehung, im eigenen Leben, im inneren Erleben. Oft versuchen wir dann, genau hinzuschauen. Wir denken nach, reflektieren, führen Gespräche, lesen und analysieren. Vielleicht erkennst du sogar ziemlich klar, worum es geht. Vielleicht hast du gute Ideen, wie du etwas verändern könntest. Ansätze, die sinnvoll klingen und dir vielleicht in anderen Situationen auch schon geholfen haben.
Und trotzdem bleibt vieles gleich. Man nimmt sich vor, etwas anders zu machen – und findet sich doch wieder in denselben Mustern. Gespräche verlaufen immer wieder ähnlich. Gefühle kommen und gehen, ohne dass sich wirklich etwas löst. Das kann frustrierend sein. Und auch verunsichernd. Denn wenn man doch „weiss“, worum es geht – warum gelingt es dann nicht, etwas zu verändern?
Oft liegt das nicht daran, dass man „zu wenig verstanden“ hat. Sondern daran, wie man hinschaut.
Viele Menschen betrachten ihre Situation immer wieder aus derselben Perspektive – logisch, reflektiert, bemüht. Das ist wertvoll. Und zugleich begrenzt. Denn wir alle sind Teil unseres eigenen Systems. Wir stecken mittendrin.

Man kann sich das ein wenig vorstellen wie in einem Raum, den man gut kennt. Man bewegt sich darin seit Jahren, weiss, wo die Ecken sind, wo man sich stösst, wo man ausweicht. Man sieht vieles – aber eben immer aus derselben Höhe, aus demselben Winkel. Erst wenn jemand von aussen dazukommt, entsteht etwas Neues: eine andere Blickrichtung, ein veränderter Abstand, ein Innehalten an Stellen, an denen man sonst vorbeigeht.
Manchmal braucht es genau dieses Innehalten. Denn hier wird oft spürbar, dass es nicht noch mehr Anstrengung braucht. Nicht noch mehr Nachdenken. Sondern Raum. Raum, um nicht allein Ordnung in etwas bringen zu müssen, das sich nicht mehr stimmig anfühlt. Denn viele dieser Muster, Gewohnheiten und Strategien sind nicht zufällig entstanden. Sie haben sich über die Zeit gebildet, oft als gute, sinnvolle Antworten auf frühere Situationen. Sie haben getragen, geschützt und stabilisiert. Und gleichzeitig können sie irgendwann zu eng werden. Dann fühlt sich das, was einmal geholfen hat, plötzlich wie ein Hindernis an.
Allein sehen wir diese Zusammenhänge oft nur bis zu einem gewissen Punkt. Nicht, weil wir unfähig wären – sondern weil Nähe den Blick einschränkt. Wer mitten im Geschehen steht, kann nicht gleichzeitig Abstand halten.
In der Beratung entsteht genau dieser Abstand. Ein Raum, in dem du nichts leisten musst. In dem du nicht „richtig“ reagieren, nichts erklären oder beweisen musst. Sondern in dem das, was da ist, zuerst einmal Platz haben darf. Auch das Unklare. Auch das Widersprüchliche. Auch das, wofür es noch keine Worte gibt.
Eine Beratung ersetzt dabei nicht deine eigene Auseinandersetzung. Aber sie kann ihr eine neue Tiefe geben. Zusammenhänge werden klarer, innere Haltungen werden verständlicher. Und daraus entstehen oft neue Handlungsspielräume. Manchmal ermöglicht genau das die Bewegung, die allein so schwer greifbar war.
In der Beratung erlebe ich häufig Menschen, die genau an diesem Punkt stehen. Sie haben bereits viel innere Arbeit geleistet. Sie sind reflektiert, aufmerksam, bemüht. Und trotzdem fühlen sie sich festgefahren. Nicht, weil sie sich zu wenig anstrengen. Sondern weil manche Prozesse sich nicht allein lösen lassen – so sehr man es auch versucht.
Veränderung braucht Raum. Beziehung. Und manchmal auch jemanden, der von aussen mit hinschaut, der hilft, Zusammenhänge zu sortieren, Gefühle einzuordnen und neue Erfahrungen möglich zu machen – in einem Tempo, das stimmig ist.
Oft verändert sich dadurch etwas sehr Grundlegendes: Man beginnt, sich selbst anders zuzuhören. Die eigenen Reaktionen nicht nur zu beurteilen, sondern zu verstehen. Gefühle nicht mehr als Störfaktor zu erleben, sondern als Hinweis. Und plötzlich öffnen sich neue Möglichkeiten – nicht, weil man sie sich vorgenommen hat, sondern weil sie entstehen dürfen.
Auf in ein neues Jahr
Der Übergang ins neue Jahr ist für viele ein stiller Moment des Innehaltens. Kein lauter Neuanfang, sondern vielleicht ein leises Spüren: Was möchte ich mitnehmen – und was darf sich verändern?
Wenn dich dieser Text berührt hat, dann vielleicht genau deshalb, weil du bereits mitten in diesem Prozess bist.
Ich wünsche dir ein neues Jahr mit Raum für Ehrlichkeit dir selbst gegenüber, mit Vertrauen in deine eigenen Schritte – und mit Unterstützung dort, wo sie gut tut.
Herzlich
Sabrina 🌿


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